Wegscheid in Niederbayern

Wegscheid ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Passau.

Die Gemeinde liegt in der Region Donau-Wald im südlichen Bayerischen Wald im Landkreis Passau an der österreichischen Grenze und an der B 388, welche ins 33 km entfernte Passau und in Gegenrichtung ins 21 km entfernte Rohrbach (Oberösterreich) führt. Nach Hauzenberg sind es 17 km und nach Waldkirchen 24 km.

Hinsichtlich Name und Entstehung von Wegscheid gibt es mehrere Deutungen:

Nach einer Sage sollte weiter nördlich im Walde eine Kirche gebaut werden. Während der Bauzeit habe eine Taube ein blutiges Holzscheit von der Baustelle weggenommen und an eine andere Stelle geflogen. Dies wurde als Fingerzeig Gottes gedeutet. Der Kirchbau wurde daraufhin eingestellt und an einer anderen Stelle fortgesetzt. Wegscheid entstand also aus "Scheit am Weg". Nach dieser Sage wurde auch das Wappen der Marktgemeinde Wegscheid gestaltet.

Der Name rührt aber wahrscheinlich davon her, daß ein Handelsweg von Westen nach Osten sich hier gabelte in Richtung Böhmen und Österreich. Wegscheid kommt demnach von "Wegscheide".

Die Ursiedlung entstand um 1100, später wurde eine kleine Holzkirche gebaut, um 1200 die Pfarrei Wegscheid gegründet. Erwerbszweig war damals neben der kargen Landwirtschaft der Holzhandel und natürlich der Säumerberuf. 1360 erhob Bischof Gottfried 11. von Passau Wegscheid zum Markt. Damit erhielt Wegscheid das Recht auch Räuber zu fangen. Besonders wichtig war aber, daß man einen Richter bekam. Damit wurde Wegscheid Gerichtsstand, "das passauische Gericht zu Wegscheid". So ist also Wegscheid seit über 600 Jahren Sitz von Verwaltungsbehörden.

Die Chronik erwähnt bereits im Jahre 1547 einen Schulmeister, es mußte also bereits damals eine Schule in Wegscheid gewesen sein. Wirtschaftlich erreichte Wegscheid einen gewissen Aufschwung durch den Handel mit Böhmen und Österreich. Das Gebiet um Wildenranna befand sich lange Zeit unter österreichischer Landeshoheit. Deshalb wurden die durch Wildenranna geführten Waren mit Zoll bzw. Mauth belegt, die Mauthstätte befand sich in der heutigen Gastwirtschaft zur Mauth.

Im Jahre 1765 konnte das Hochstift Passau dieses Gebiet wieder zurückerwerben. Durch die kirchliche Neuorganisation in Österreich unter Kaiser Josef 11. wurden die im Mühlviertel gelegenen Gebiete von der ehemals sehr großen Pfarrei Wegscheid abgetrennt. Im Zuge der Säkularisation wurde 1803 das Hochstift Passau aufgelöst. Nach einer kurzen Episode unter einer habsburgischen Nebenlinie wurden die Wegscheider im Jahre 1806 politisch dem Königreich Bayern eingegliedert.

Ein Markenbegriff seit alten Zeiten ist das Wegscheider Leinen. Es wurde sowohl gewerblich als auch überörtlich abgesetzt. Durch die Industrialisierung erlitt die Handweberei jedoch einen schweren Rückschlag. Dieser konnte verhältnismäßig gut verkraftet werden, da Wegscheid Sitz des ehemaligen Landkreises Wegscheid und damit insbesondere des Landratsamtes, des Amtsgerichts, des Gesundheitsamtes, des Veterinäramtes usw. war.


Das Haus des Gastes beinhaltet einen Veranstaltungssaal für ca. 500 Personen einen Clubraum für 100 Personen, Lese- und Fernsehräume, Kegelbahnen, Schießanlagen, einen Tischtennisraum und ein schönes Restaurant. Dazu entstanden eine Tennishalle, zwei Freiplätze und 1991 ein Hotel mit 250 Betten.

Als weitere Erholungseinrichtungen sind ein Hallenbad, zwei Freibäder, ein Skilift (beleuchteter Hang) und ca. 60 km gespurte Langlaufloipen vorhanden. Eine besondere Attraktion ist der Rannasee mit einer Wasserfläche von 200.000 qm. Er ist sehr schnell zu einem Paradies für Bade-, Surf- und Paddelfreunde geworden.

Neben dem Zentralgebäude entstanden noch viele Sport- und Spielanlagen für Erwachsene und vor allem für Kinder. Diese Anlage wird sicherlich dazu beitragen, die Aufwärtsentwicklung des Fremdenverkehrs in unserer Gemeinde fortzusetzen.

Große Probleme entstehen der Gemeinde dadurch, daß sich die ca. 5.700 Einwohner auf einer Fläche von über 80 qkm verteilen. Gerade der Winterdienst gestaltet sich wegen der Höhenlage äußerst schwierig. Mit einer Vielzahl von Fahrzeugen bemüht sich der Bauhof, täglich die über 200 km Gemeindestraßen freizuhalten.

In der Marktgemeinde sind auch einige Betriebe der verschiedensten Branchen ansässig. Darin finden etwa 750 Personen Beschäftigung. Im Jahre 1980 wurde an der Gemeindegrenze die einzige Verdichterstation in Niederbayern in Betrieb genommen. Diese Anlage geht auf einen Staatsvertrag zurück, der zwischen der ehemaligen Sowjetunion und Frankreich abgeschlossen wurde. Diese Station hat die Aufgabe, das aus Rußland und dem Iran aus einer Entfernung von 7000 km hierher gelangende Erdgas zu verdichten und dann in Richtung Westen weiterzubefördern.

Als wichtige überörtliche Einrichtung ist noch das Kreiskrankenhaus mit 75 Betten zu nennen. Es besitzt eine innere, eine chirurgische Abteilung und eine gynäkologische Abteilung.


Informationen:

Tourismusbüro Wegscheid
Marktstraße 1
94110 Wegscheid

Tel  08592/888-0
Fax 08592/888-40

E-Mail: Information-Wegscheid(at)Niederbayern.Bayern-online.de

 

Teilen: